Die Originalgeschichte "Der Positronische Mann" von Isaac Asimov war
ursprünglich als Teil einer Science-Fiction-Anthologie gedacht, die 1976,
im Jahr des zweihundertsten Geburtstags der amerikanischen Unabhängigkeit,
erscheinen sollte. Asimov selbst schreibt im Vorwort seines Buches "Der
Positronische Mann und andere Geschichten", dass er im Januar 1975 als
Co-Autor für eine Anthologie im Gespräch war. Es handelte sich um
eine limitierte Ausgabe, in der Original-Stories der zehn besten Science-Fiction-Autoren
der Gegenwart veröffentlicht werden sollten. Abgesehen davon, dass die
Geschichten etwas mit dem Thema von "Der Positronische Mann" zu tun
haben sollten, gab es inhaltlich keine weiteren Vorschriften. Seinen Beitrag
zu dem geplanten Sammelwerk reichte Asimov vor dem gesetzen Termin im Mai 1975
beim Verlag ein – allerdings war sein Werk doppelt so lang wie vorgeschrieben.
Abgesehen von seinen Romanen war dies die längste Geschichte, die Asimov
in 17 Jahren fertig gestellt hatte.
Aufgrund einer Reihe von Komplikationen kam diese Anthologie jedoch nicht zustande.
Asimovs Geschichte wurde schließlich in Judy-Lynn del Reys Geschichtensammlung
"Stellar Science Fiction #2" im Februar 1976 veröffentlicht.
Gleichwohl gefiel dem Autor seine eigene Erzählung so sehr, dass er sie
zur Titelgeschichte einer eigenen Short-Stories-Sammlung machte.
Für den Protagonisten Andrew Martin war es jedoch noch ein langer Weg auf
die große Leinwand. Zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung verkaufte
Asimov im November 1986 die Filmrechte an den in Chicago ansässigen Produzenten
Neal Miller. "Ich suchte nach guten Geschichten, die man verfilmen konnte",
erinnert sich Miller. "Ein Freund empfahl mir "Der Positronische Mann’
und ich war sogleich Feuer und Flamme. Es ist eine Parabel darauf, was es bedeutet,
Mensch zu sein."
Die erfolgreichen Produzenten Gail Katz und Wolfgang Petersen stellten sich
schließlich der Herausforderung, die verschlungene und vielschichtige
Asimov-Vorlage filmisch zu adaptieren. "Das Projekt lag ein paar Jahre
auf Eis", erzählt Produzentin Katz. "Als Wolfgang und ich die
Geschichte lasen, gefiel sie uns auf Anhieb und wir entschieden uns umgehend,
einen Film daraus zu machen." Bald darauf stiess Drehbuchautor Nick Kazan
zum Team. "Nick war total begeistert von der Geschichte", erinnert
sich Gail Katz. "Meiner Meinung nach hat er die Story noch vielfältiger
gestaltet, indem er sie um eine ergreifende Liebesgeschichte bereichert hat.
Sowohl Oscar-Preisträger Robin Williams als auch Regisseur Chris Columbus
waren von dem fertigen Drehbuch sehr angetan."
Robin Williams und Chris Columbus für DER 200 JAHRE MANN erneut zu vereinen,
war naheliegend. Bereits bei den Dreharbeiten zu Mrs. Doubtfire – Das stachelige
Kindermädchen (Mrs. Doubtfire, 1993) und Neun Monate
(Nine Months, 1995) hatten die beiden unter Beweis gestellt, dass sie
perfekt harmonierten. Bislang schien ihre Zusammenarbeit insbesondere für
Komödien wie geschaffen. Nun jedoch war es die Herausforderung, mal etwas
anderes gemeinsam zu machen, die Williams und Columbus dazu brachte, bei dem
Projekt einzusteigen. "Mir gefiel die Idee, wie sich die Story mit künstlicher
Intelligenz und menschlichem Benehmen auseinandersetzt", sagt Robin Williams.
"Es geht um einen Roboter, eine Fließbandkreatur, einen NDR-114.
Am Anfang gibt es Tausende von ihnen, doch dieser ist einzigartig. Er ist neugierig
und begeisterungsfähig." Auch Chris Columbus war begeistert. "DER
200 JAHRE MANN ist mit keinem Film vergleichbar, den ich zuvor gemacht habe",
schwärmt er. "Die Story umspannt einen Zeitraum von 200 Jahren und
folgt dem Schicksal einer einzelnen Familie über verschiedene Generationen
hinweg. Die Protagonisten wechseln fortwährend."
Zentrale Figur ist der Roboter Andrew Martin. Für jeden an der Produktion
beteiligten Bereich bestand somit die wichtigste Aufgabe darin, einen glaubwürdigen
künstlichen Menschen zu erschaffen. Großen Respekt zollt Robin Williams
der literarischen Vorlage. "Asimov ist ein verblüffender Autor",
urteilt er im Hinblick auf die vielen Werke des produktiven Schriftstellers.
"Indem er den Robotern die drei Gesetze zur Hand gab, versah er sie zugleich
mit einer Art von moralischer Anweisung. Asimov trug somit entscheidend zu unserer
heutigen Vorstellung bei, was ein Roboter ist und wie er sich zu verhalten hat."
Der Roboter in Historie und Literatur
Roboterähnliche Erfindungen können bis in das Altertum zurückverfolgt
werden. So ist überliefert, dass bereits 200 v. Chr. komplizierte Automaten
zur Unterhaltung gebaut wurden. Das Wort Roboter im Sinne eines "künstlichen
Menschen" ist jedoch eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Abgeleitet wird
es von dem tschechischen Wort "Robota" und bedeutet Fronarbeit. Karel
Capek verwendete die Bezeichnung erstmals in seinem 1920 verfassten Theaterstück
"R.U.R." (Rossums Universal Robots). Das Stück handelt von Robotern,
die dazu erschaffen wurden, den Menschen von der Bürde der Arbeit zu befreien.
Doch die künstlichen Kreaturen rebellieren gegen ihre menschlichen Schöpfer
und wollen sie zerstören. Einen ähnlichen Angriff auf die Menschheit
wagte die Roboterfigur Maria 1926 in Fritz Langs Metropolis. Isaac Asimov
trug jedoch dazu bei, dieses einseitig negative Roboterbild aufzubrechen. In
seinem Buch "Ich, der Roboter" legte er drei Robotergesetze nieder,
die zum Regelwerk für fast jeden wurden, der über Roboter geschrieben
hat.
Die drei Gesetze lauten:
1. Ein Roboter darf einen Menschen nicht verletzen oder ihn durch eigene Passivität
zu schaden kommen lassen.
2. Ein Roboter muss den Anordnungen gehorchen, die ihm von Menschen gegeben
werden, es sei denn, sie kämen mit dem ersten Gesetz in Konflikt.
3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, so lange er dabei nicht
mit dem ersten und zweiten Gesetz in Konflikt gerät.
Mit Hilfe dieser Gesetze oder – wie Williams sie nennt – moralischen Anweisungen
werden die Maschinenmenschen nicht länger nur als bösartig definiert.
"Asimov war der erste Autor, der Roboter in einem positiven Licht sah",
sagt Robin Williams. "Es ist faszinierend, dass Asimov dachte, Roboter
könnten so moralisch wie Menschen oder vielleicht noch moralischer sein.
Da er ihnen so etwas wie Bewußtsein, Neugier und Leidenschaft gab, stellten
sie keine Bedrohung mehr da." Wie aber definiert man Bewußtsein?
"Ich glaube, es war Arthur C. Clark", antwortet Robin Williams, "der
sagte: ’Man erkennt das Denkvermögen einer künstlichen Intelligenz
daran, dass sie einen Witz machen kann und weiss, dass sie einen gemacht hat
und entsprechend darüber lacht’." Die latente Angst, die die Menschen
dennoch vor Robotern haben, erklärt Williams damit, dass sie Andrew in
eine Welt versetzen, "in der er den allzu vertrauten Kräften von Selbstgerechtigkeit,
Intoleranz und Hass begegnet und zugleich einen gewagten Wunsch äussert
– Menschlichkeit zu erlangen."
Andrew erwacht zum Leben…
Den Maschinenmenschen Gestalt werden zu lassen, war keine leichte Aufgabe. Der
Roboter-Anzug, der für Robin Williams entworfen werden sollte, durfte den
Ausdruck von Emotionen und Humor nicht überdecken. Um dieses Problem zu
lösen, wandte man sich an Steve Johnson und seine Special-Effects-Firma
XFX, Inc. Das Kostüm, das Johnson entwarf, wurde aus über 250 Stücken
gefertigt, die schließlich zu 30 tragbaren, 35 Pfund schweren Einzelteilen
verarbeitet wurden. Die XFX-Mitarbeiter Chris Nelson und Eric Fiedler fungierten
als Puppenspieler, die die Kostüme instand hielten und die Gesichtsausdrücke
kontrollierten. Der erste Kostüm-Entwurf wäre sehr hinderlich gewesen,
erklärt Chris Nelson, weil "ein so ausdrucksstarker und mimischer
Schauspieler wie Robin Williams nicht sehr viel Spielraum innerhalb der Maske
gehabt hätte. Robin hätte lediglich die Kieferbewegung kontrollieren
können. Das Modell besaß noch nicht den Lächel-Mechanismus,
den wir später eingebaut haben. Im fertigen Modell konnten die Augen schließlich
sogar blinzeln und die Augenbrauen ließen sich per Fernbedienung heben
und senken." Es blieb das Problem, ob die eingeschränkte Fähigkeit,
das Gesicht zu bewegen, einen Schauspieler nicht zu sehr behindere. "Von
Anfang an beschäftigte uns die Frage, ob wir nicht irgendjemanden in die
Maske stecken können", erklärt Nelson. "Man sieht zwar nichts
von Robin, aber mich beeindruckte besonders, dass er drin steckt und tatsächlich
durch das Plastik, Silikon und all die anderen Mechanismen hindurch spürbar
wird. Bei keinem anderen als Robin Williams hätte man dieses Gefühl
gehabt, schon allein deshalb nicht, weil Andrew bis zum Ende des Film sein Aussehen
so oft verändert."
Sogar Robin Williams war von dem Ergebnis überrascht. "Das größte
Kompliment, das die anderen Roboter-Darsteller und ich bekommen haben, war die
Tatsache, dass uns Studio-Mitarbeiter bei einer Vorführung für computeranimierte
Wesen hielten. Dennoch wirkte mein Spiel innerhalb der Maske ganz anders als
bei reiner Tricktechnik. Sie sagten, es würde leben."
Eric Fiedler erklärt, wie das Roboter-Antlitz in Gang gesetzt wurde. "Was
Robin geleistet hat, kann nicht genug betont werden. Auch wenn der Roboter nur
ein statisches Gesicht zeigte, sollte man immer noch einen Gesichtsausdruck
ablesen können. Die Minimal-Mimik sollte die Körpersprache unterstützen.
Robin und ich berieten, wie das am besten anzustellen sei. Er machte Vorschläge,
wann er einen überraschten Ausdruck aufsetzen oder wann er ein kleines
Lächeln zeigen könne. Wir erarbeiteten dies gemeinsam, was sehr viel
Spaß machte."
Als die Maske zu Beginn auf Ausdruck und Beweglichkeit getestet wurde, unterhielt
Williams die Crew mit komischen, improvisierten Einlagen, z. B. mit der eines
Robo-Rappers. Bald wurde die Maske sogar ein Teil von ihm. "Dies ist keine
Frage des Kopfes, sondern des Körpers", erzählt Williams. "Die
Maske schrieb mir vor, wie meine Füsse Kontakt mit dem Boden haben, wie
ich meine Hände bewege, Dinge greife, und sie beeinflusste viele Arten
anderer Bewegungen, die man im Kopf hat. Also versuchte ich, über diese
Grenzen hinauszugehen. Eigentlich kam mir die Maske wie das Make-up von Mrs.
Doubtfire vor. Sie erklärt, wer man ist. Es war am schwierigsten, das
im Gedächtnis zu behalten, als wir begannen, auf die Hilfsmittel zu verzichten
und nach und nach verstanden, was Andrew mit Verbesserung meinte, weil er schließlich
immer noch ein Roboter und kein richtiger Mensch war."
Cheri Minns, Williams' langjährige Make-up-Künstlerin, stand ihm während
sämtlicher Stadien der Verwandlung zur Seite; beginnend mit dem von Steve
Johnson kreierten Roboter-Outfit über die menschlicheren Züge bis
hin zu dem späteren Alters-Look, für den Greg Cannom und Captive Audience
Productions verantwortlich waren. Über die Verwandlung sagt Minns: "Robin
schaffte es, den Charakter die ganze Zeit über transparent zu halten. Ich
glaube, dass ihn die Leute mögen werden, weil er von seinem ersten Auftritt
als Roboter bis zu dem Zeitpunkt, an dem er wie ein alter Staatsmann wirkt,
eine eigene würdevolle Identität bewahrt."
Andrew und seine Mitmenschen…
Embeth Davidtz, die sowohl die erwachsene Little Miss als auch deren Enkelin
Portia verkörpert, genoss es, sich zur Abwechslung mal in einen Roboter
verlieben zu dürfen. "Zuerst habe ich mich gefragt, wie ich diese
ungewöhnliche Liebe glaubhaft darstellen kann, aber Robin verwandelt sich
in ein Wesen, das mehr als ein Roboter ist. Genau das macht die Story so unergründlich.
Sie handelt von einer Kreatur, die zwar vom Menschen gemacht ist, sich dann
jedoch selbst erschafft." Gerade weil Embeth Davidtz Andrew aus zwei Perspektiven
ihrer Doppelrolle sieht, konnte sie gut verstehen, dass sich Portia zu dem Roboter
hingezogen fühlt. "Andrew", so Davidtz, "ist witzig, drollig,
gerissen, sehr altmodisch, aber zugleich seiner Zeit voraus. Seine Güte
und sein Intellekt fordern Portia geradezu heraus. Einige menschliche Zeitgenossen
sind nicht gerade das, was man unter großartigen Menschen versteht, doch
Andrew ist ein Roboter, der eine größere Seele besitzt als die meisten
von uns."
Auch Sam Neill gefiel es, in der Rolle des Sir an der Seite eines Roboters agieren
zu können, der plötzlich anfängt, ungewöhnliche menschliche
Eigenschaften zu entwickeln. "Sir ist Andrews erster Besitzer und er ist
fasziniert von Robotern", sagt Neill. "Er erkennt jedoch schnell,
dass etwas Menschliches von der Maschine ausgeht und dass Andrew humorvoll und
neugierig ist. Dieser Lebensfunken hebt ihn unter den Tausend anderen seiner
Art hervor."
Auch wenn Neill dem Roboter im Film erklären muss, was Humor bedeutet,
attestiert er Robin Williams in der Realität diesbezüglich keinerlei
Nachholbedarf: "Ich habe nie zuvor mit jemandem wie Robin gearbeitet",
resümmiert Neill. "Ich habe bei diesem Film mehr gelacht als bei meinen
letzten zehn zusammen. Als wir zum Beispiel eine Szene drehten, in der Andrew
einen Witz erzählen muss, da konnte man bei Robin nicht sicher sein, was
er genau tun wird. Das ist situationskomisch und lässt sich leider nicht
in Worte fassen."
Eine Zukunftsvision – Amerika in den nächsten 200 Jahren…
Regisseur Chris Columbus, der schon zu Beginn seiner Karriere Science-Fiction-,
Horror- und Fantasy-Drehbücher geschrieben hatte, fühlte den Zeitpunkt
gekommen, zu diesen Wurzeln zurückzukehren. "Science-Fiction war schon
immer eine meiner größten Leidenschaften", gesteht der Regisseur.
"Ich hab jedoch nie eine Story in diesem Genre gefunden, die auch auf einem
emotionalen Level funktioniert hat. In Nicholas Kazans Drehbuchfassung fand
ich nicht nur eine Geschichte, die vom Science-Fiction-Standpunkt aus faszinierend
und fantastisch war, sondern eine, die auch auf der menschlichen Ebene komplex
und bewegend erschien. Außerdem war sie originell und unvorhersehbar."
Bei der Vision eines futuristischen Amerika konnte Columbus seine Fantasie spielen
lassen. "Ich hatte das Gefühl, man müsse eine Zukunft entwerfen,
die architektonisch vollkommen ist", erklärt der Regisseur. "Allerdings
wird eine Stadt wie San Francisco ihre Vergangenheit niemals völlig sterben
lassen, also ist es wichtig, einer Vision treu zu bleiben, die bereits existierende
Architektur dabei jedoch einzubeziehen."
Um die Zukunftsvision einer Stadt wie San Francisco zu entwerfen, vertraute
der Regisseur auf den Oscar-gekrönten Produktionsdesigner Norman Reynolds,
der für seine Arbeit an der Original-Star Wars-Trilogie berühmt
wurde. "Ich habe kein allzu futuristisches Ambiente gewählt",
sagt Reynolds über seine Entwürfe. "Das klingt so, als ob ich
wüsste, wie die Zukunft aussieht. Natürlich weiss ich das nicht. Wir
haben uns die Wahrzeichen der Stadt zunutze gemacht, z.B. die Golden Gate Bridge,
die wir noch um eine Straße auf einer höheren Ebene erweiterten.
Sausalito haben wir ebenfalls vergrößert, so dass man es von Fort
Point – unterhalb der Golden Gate Bridge – aus sehen kann. All diese Wahrzeichen
sind den Menschen in den USA und anderen Ländern vertraut."
Damit die Atmosphäre von San Francisco den ganzen Film über spürbar
ist, brachte Chris Columbus viele tatsächlich existierende und einmalige
Schauplätze der Stadt ein – zum Beispiel Grace Cathedral. Seit dem Bau
im Jahr 1928 ist die Kirche mit ihrem französisch und spanisch angehauchten
Design und ihren Türmen, die sich ca. 53 Meter über die Straße
erheben, ein bekanntes Wahrzeichen der Stadt. Im Film dient sie als Schauplatz
der Hochzeit von Little Miss' und Jahre später wird sie von Portia restauriert.
Um die zeitliche Entwicklung über zwei Jahrhunderte glaubhaft darzustellen,
hielt Columbus Reynolds dazu an, den Lebensraum der Figuren ständig zu
verändern. "Es gibt ziemlich viele verschiedene Küchen in diesem
Film", erzählt Reynolds lachend. "So etwa vier oder fünf
waren es. Es ist schwierig, jede einzelne zu verändern, aber glücklicherweise
haben wir es geschafft. Wir haben uns bemüht, nicht zu übertreiben.
Deshalb wurden die Küchen erst gar nicht so voll gestopft."
Reynolds konnte jedoch nicht bei allen Entwürfen auf Existierendes zurückgreifen.
Es dauerte drei Monate, Chris Columbus' fortschrittlichste Vision – das futuristische
Welt-Parlament in den Manex Studios in Alameda, Kalifornien aufzubauen. "Die
Außenkulissen waren das wichtigste, um die Zukunft lebensecht darzustellen",
erklärt Reynolds. "Wir mussten weitere zukunftsgemäße Gebäude
errichten und uns zu diesem Zweck die Stadt zunutze machen, anstatt Sets zu
errichten, die sich zu weit außerhalb befanden."
Um Zukunft und Fortschritt der Zeit in die Gegenwart zu integrieren, benutzte
Dream Quest Images, Walt Disneys Abteilung für Visual-Effects, innovative
Techniken wie digitale Maskenbildnerei, Computergrafik und Modelle. "Aufgrund
von Chris' und Normans Konzept einer gewachsenen, anstelle einer sehr konstruierten
Zukunft konnten wir realistische Aufnahmen machen", sagt Dream Quests Visual-Effects-Supervisor
James Price. "Indem wir die existierenden Gebäude und Infrastruktur
benutzten, waren wir in der Lage, ein Terrain zu gestalten, das futuristisch
anmutet, ohne fremd zu wirken."
Während des gesamten Films spielen Hologramme eine wichtige Rolle. Auf
diese Weise präsentierten die Dream Quest-Tricktechniker eindrucksvoll
die drei Asimov‘schen Gesetze der Roboter, die Andrew zu Beginn des Films für
seine Spezies erklärt. Während Andrews erster Auftritt noch unterschwellig
bedrohlich wirkt, offenbart er später tiefe Gefühle und eine sentimentale
Ader – z.B. als er Sir einen Gefallen tut und Little Miss' Hochzeitstanz holografisch
reproduziert. Andrews Transformation in einen Menschen wurde mit Hilfe von Hologrammen
menschlicher Organe verbildlicht. Um Andrews Kopf auszutauschen und sein Roboter-Gerippe
in eine menschliche Anatomie zu verwandeln, kamen Blue Screen und Motion-Control-Fotografie,
spezielle Aufnahmetechniken, um die Kamera in 3D zu bewegen sowie digitale Mischtechniken
in Verbindung mit Animation und Computergrafik zum Einsatz.
Die Panorama-Ansichten von San Francisco, New York und Washington D.C. wurden
mit digitalen Hintergrundbildern von Wolkenkratzern des neuen Jahrtausends kombiniert.
Ein computeranimierter Tanker schippert unter dem Doppeldeck der Golden Gate
Bridge hindurch. Ebenso ist auf New Yorks Eastriver eine computeranimierte Luftkissenfähre
der öffentlichen Verkehrsbetriebe zu sehen. Computergrafische Animationen
machen es schließlich möglich, dass sogar schwebende Autos über
die Brooklyn Bridge fliegen und sich der gesamte Verkehr rund um das Capitol
in dieser Weise bewegt.
Das Welt-Parlament wurde ebenso wie Portias Loft im Maßstab von 1:48 von
dem Dream Quest Model Shop in zwölf Wochen gefertigt. Das viktorianische
Gebäude, das in einem alten Viertel San Franciscos gelegen ist, sieht man
sowohl in Verbindung mit den traditionellen Cable Cars, als auch mit einer futuristischen
Straßenbahn. Dies alles wurde in Form von detaillierten Modellen übergangslos
digital mit dem Hintergrundbild der Bay Bridge verbunden. Auf diese Weise wurden
auch am Krankenhaus, am Laboratorium von Rupert Burns’, der Andrew menschenähnlicher
gestaltet, und am nordkalifornischen Herrenhaus der Familie computergrafische
Eingriffe vorgenommen.
Ein Blick in die Zukunft…
Letztendlich dominiert im Film jedoch die Realität. Hinter der aufwendigen
Ausstattung, den philosophischen Ideen und hinter der Roboter-Technologie verbirgt
DER 200 JAHRE MANN eine zutiefst menschliche Botschaft. Sam Neill bringt es
auf den Punkt: "In der Geschichte werden viele Fragen gestellt. Einige
davon sind sehr beunruhigend. An welcher Stelle überschreitet Wissenschaft
ihre Grenzen? Wo beginnt das, was wir erfinden, das in Frage zu stellen, was
wir über eine zivilisierte Lebensart wissen? Ich habe keine Ahnung, wo
wir in 100 Jahren sein werden, ob die menschliche Spezies überhaupt noch
existieren wird. Wer kann das schon sagen? Alles, was ich weiß ist, dass
es ziemlich anders sein wird, als wir heute vermuten."
Robin Williams pflichtet dem bei: "Kein Wissenschaftler kann die Zukunft
vorhersehen. Forscher können darüber sprechen, welche Aufgaben Roboter
zukünftig übernehmen. Sie diskutieren bereits, was uns die Verkleinerungstechnologie
bringt. Aber es wird immer etwas geben, das wir nicht voraussagen können.
Niemand hätte vor 60 Jahren ahnen können, dass es mal Laptops geben
würde."
Was die menschliche Komponente der Geschichte betrifft, so hat Williams jedoch
sehr optimistische Zukunftserwartungen. "Es hat schon viele Filme über
Roboter gegeben", zieht Williams Bilanz. "Es gab auch schon Filme
über künstliche Intelligenz. Asimov jedoch hat darüber geschrieben,
wer wir sind und in welcher Beziehung wir zu den von uns erschaffenen Kreaturen
stehen. Es ist eine spannende Frage, ob sie uns in moralischer Hinsicht überlegen
sein könnten. Asimov kommt zu dem Schluss, dass ein Roboter menschlicher
als die meisten Menschen sein kann, und das sollte uns veranlassen, über
uns selbst nachzudenken."